Enthüllung des Gedenksteines für Lilli Arp – 30. Juni 2015
Ein Ziel der Prasdorfer Arbeitsgemeinschaft „Dorfchronik“ ist es, das Gedenken an Lilli Arp zu wecken und zu pflegen.
Zeichnung: Diethilde Breitfelder
Heute vor 50 Jahren ist Anna Elisabeth Arp, „Lilli“ wie sie sich selbst nannte, auf ihrem Hörn-Hof gestorben. Ein Anlass für uns und vielen Gäste diesen Jahrestag würdig zu begehen.
Dass dies im 775-ten Jahr unserer Gemeinde und 70 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus geschehen, hebt dieses Datum besonders hervor.
Lilli Arp war von den Idealen der Französischen Revolution beseelt: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Mit der Kommunistischen Partei sah sie eine Möglichkeit, diese Ideale zu verwirklichen. Mitglied war sie dort jedoch nicht. Lilli Arp hat während ihres ganzen Lebens in vorbildlicher Weise ihren Mitmenschen geholfen, und unbeirrt mutig Widerstand gegen das Terrorregime der Nazis geleistet und sich damit selbst der Verfolgung ausgesetzt. Verfolgten gewährte sie Unterschlupf und verhalf ihnen zur Flucht.
Sie sagte schon sehr früh, dass den Nationalsozialismus wählen, Krieg bedeutet und machte unaufhörlich Front gegen seine Thesen über Rasse, Judentum, und Führertum.
Die heutige Ehrung soll einen Beitrag gegen das Vergessen leisten. Wir wollen auch der Menschen gedenken, deren Widerstand gegen den Nationalsozialismus ungenannt geblieben ist.
Gerade in heutiger Zeit, wo das faschistische Gedankengut noch Anhänger hat, wie Beispiele aus jüngster Zeit zeigen, ist es besonders wichtig, Beispiele für gelebte Zivilcourage und Emanzipation herauszustellen und zu verbreiten.
Weiterhin sehen wir in dieser Ehrung, die Wiederaufnahme von Lilli Arp in die Dorfgemeinschaft, die sie einst ausgestoßen hatte.
Foto: chs
Die heutige Würdigung ist nicht nur ein lokales Ereignis. Die Bedeutung von Lilli Arp geht weit über die Grenzen ihrer Heimat hinaus. Wir alle können stolz auf diese mutige emanzipierte Frau sein.
v.l.n.r.: Heike Schneekloth, Fritz Breitfelder, Helmut Löhndorf, Diethilde Breitfelder (Foto: chs)
Manfred Bockelmann, Enkel von Lilli Arp, hatte es sich nicht nehmen lassen, zu einem privaten Besuch zu uns nach Prasdorf zu kommen. Leider weilte er bei der Enthüllung des Gedenksteines in Amerika, zeigte sich aber sehr bewegt über die Ehrung seiner „Omi Lilli“.
Sein Bruder Udo Jürgen Bockelmann, besser bekannt als Udo Jürgens, konnte sein Versprechen leider nicht mehr erfüllen, uns zu besuchen.
Manfred Bockelmann (Foto: hl)
Danken möchten wir der Familie Schevior, die uns den Stein für die Gedenktafel zur Verfügung gestellt hat.
Ein Dankeschön geht an Herrn Hackbarth aus Schönberg, der die Gedenktafel gravierte.
Vergessen ist auch Herrn Hans-Jürgen Böckler nicht, der mit viel Geduld und Geschick den Stein für die Montage der Tafel vorbereitet hat.